NEW WORK – (K)EIN KONZEPT FÜR ALLE?



Das Thema New Work pulsiert zur aktuellen Stunde. Besonders die Entwicklungen der Corona-Pandemie haben einen zuvor schon beginnenden Wandel der Arbeitswelt vorangetrieben. Damit hat sich auch die Erwartung der Menschen an Arbeit verändert. Unternehmen stellen nun um auf flexible Arbeitszeiten, bieten die Möglichkeit von Home-Office an, und werben mit New Work um neue Mitarbeitende zu gewinnen. Genau damit gerät das Konzept von New Work allerdings auch in Kritik. Denn für viele Branchen und Berufe ist beispielsweise mobiles Arbeiten oder die flexible Aufteilung der Arbeitszeit nicht möglich. Personen im Baugewerbe oder Einzelhandel können wohl kaum von zu Hause aus arbeiten. Gleiches gilt beispielsweise auch für die Produktion oder das Gesundheitswesen.


Schließt New Work Menschen aus?

New Work wird aktuell häufig gleichgesetzt mit Home-Office, flexiblem Arbeiten und einer 4-Tage-Woche. Eine Umstellung von Arbeitsmodellen ist immer eine Herausforderung, keine Frage. Für alle Tätigkeiten, die außerhalb des Büros stattfinden, liegt diese jedoch mehr im Bereich des Unmöglichen. Nach der IBA-Studie aus dem Jahr 2020 arbeiten in Deutschland beispielsweise 71% der Beschäftigten zumindest teilweise an einem Büroarbeitsplatz. Damit scheint diese Sicht auf New Work gleichzeitig einen nicht unerheblichen Teil der Erwerbstätigen zu vernachlässigen. Berechtigterweise sollte ein Wandel der Arbeitswelt alle Menschen berücksichtigen und keine Berufe oder Tätigkeitsbereiche ausschließen. Darauf bezogene Kritik an dem Konzept von New Work ist insofern durchaus verständlich. Wer allerdings New Work auf flexibles Arbeiten und die Möglichkeit auf Home-Office reduziert, hat das Prinzip in seinem Kern nicht verstanden, so wie es ursprünglich von Frithjof Bergmann gedacht wurde.


New Work ist ein Konzept für alle!

Home-Office und flexibles Arbeiten sind nämlich allein Beispiele für eine Umsetzung von New Work. Ausgrenzung geschieht nur durch das, was aus New Work gemacht wird. Denn hinter New Work steht eigentlich Frithjof Bergmanns Gedanke von Handlungs- und Gestaltungsfreiheit, der für Sinn und Selbstbestimmung steht. New Work ist daher im Grunde ein soziales Konzept, das den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Es geht um Arbeit, die man wirklich wirklich will. Dabei steht ein erfüllendes und wertebasiertes Arbeiten im Vordergrund, sodass man gerne tut, was man tut. Es geht also um das was, nicht um das wie und damit auch um eine neue Art des Miteinanders in der beruflichen Gemeinschaft. New Work fordert eine aufmerksame und wertschätzende Haltung gegenüber Mitarbeitenden, wodurch jede*m ermöglicht wird, die eigene Arbeit so zu gestalten, dass diese stärkt und nicht schwächt. Konkret bedeutet das auch ein stärkeres Einbeziehen der Mitarbeitenden in Prozesse und Entwicklungen. Das kann beispielsweise ebenso im produzierenden Gewerbe genutzt werden. Denn immer wenn es um aktive Beteiligung und um das Wissen und die Erfahrung von Mitarbeitenden geht, kann New Work gelebt werden. Gerade die diese sind die Experten für die tatsächlichen Abläufe und Prozesse. Deren Expertise sollte entsprechend genutzt werden. Dabei können nicht nur Prozesse und Kosten optimiert, sondern auch die Zufriedenheit der Beschäftigten gesteigert werden. Sich einbringen zu können und damit etwas beizutragen, stiftet Sinn und gibt der Arbeiten einen „Mehr-Wert“, ganz im Sinne Frithjof Bergmann’s. So können insbesondere auch agile Methoden in der Zusammenarbeit von Teams genutzt werden, die ein gegenseitiges Einbeziehen fördern. Und ab diesem Moment spielt die Tätigkeit tatsächlich keine Rolle mehr. Denn damit kann der Ansatz von New Work überall gelebt werden, egal ob in der Produktion, im Gesundheitswesen oder auch im Küchenteam des Restaurants.

Denn der Kern von wertebasiertem Arbeiten, das den Menschen wertschätzt und im Zentrum sieht, kann in jeder Branche, jedem Arbeitsumfeld und in jedem Beruf umgesetzt werden. Auch ein 9-to-5-Job kann New Work sein. Es geht darum, das Prinzip Arbeit neu zu denken und darum, eine Arbeitsatmosphäre und ein zwischenmenschliches Miteinander zu schaffen, das ein sinnerfülltes Arbeiten ermöglicht und dazu führt, dass Menschen ihre Arbeit gerne tun. Dabei spielt es schlussendlich auch keine Rolle, ob das im Home Office oder im Büro stattfindet. Wichtig ist auch: Es gibt nicht den einen richtigen Weg oder die eine richtige Methode. Vielmehr geht es um kreative Ideen und ein Ausprobieren, wie Arbeit neu gelebt werden kann, sodass sie im Sinne Bergmanns den Menschen stärkt, Handlungsfreiheit gewährt und Sinn stiftet.

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