Mistakes? Yes please!

Aktualisiert: 31. Mai



Es gilt allgemein hin das Prinzip „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler“. Während bei sogenannten „Fuck-up-Nights“ berufliche Fehler öffentlich zelebriert werden, um gemeinsam daraus zu lernen, werden in Unternehmen Fehler nach wie vor oft unter den Teppich gekehrt. Dabei stellte Konfuzius bereits fest „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten“.


Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur

Unter Fehlerkultur versteht man die Art und Weise, wie ein Unternehmen mit Fehlern und Pannen und daraus folgenden Konsequenzen umgeht. Eine positive Fehlerkultur beschreibt jedoch nicht die Förderung oder Duldung von Fehlern, sondern einen entsprechend richtigen Umgang, wenn es zu Fehlern gekommen ist. Dass in vielen Unternehmen solch ein Umgang noch nicht etabliert ist, mag auch an dem gesellschaftlichen Bild von Fehlern liegen, das sich doch recht hartnäckig hält. Hier gilt in der Regel: Fehler sind schlecht und jene, die Fehler machen, ebenso.

Dabei sind Fehler menschlich. Jeder von uns macht sie. Eine Studie von Ernst & Young ergab, dass 80 % der befragten Führungskräfte Fehler machen, die den Betriebsablauf stören, diese jedoch verschweigen. Hiermit leben sie jedoch genau die negative Haltung gegenüber Fehlern vor. Dabei sind Führungskräfte mit ihrer Vorbildfunktion besonders in der Verantwortung einen offenen Umgang mit Fehlern vorzuleben. Eine grundlegende Veränderung muss zwar von Seiten des Unternehmens etabliert und vorgelebt werden, Veränderung fängt allerdings auch bei jedem einzelnen an. Eine Reflexionsfrage ist daher für jeden von uns: Wie ist meine Einstellung zu Fehlern und wie gehe ich mit meinen eigenen Fehlern und denen anderer um? Allzu oft mag sich vielleicht der ein oder andere von uns ertappen, wie er sich selbst oder einen anderen für einen Fehler verurteilt. Hier braucht es Akzeptanz. Für unsere eignen Fehler, für die Fehler unserer Kolleg*innen wie auch von Seiten des Unternehmens. Denn nicht der Fehler ist das Problem. Dieses entsteht erst durch den falschen Umgang mit Fehlern.


Fehler + Wertschätzung = Innovation

„Wo Fehler passieren, fehlt etwas“. Daher braucht es eine Veränderung in dem Bild, das wir von Fehlern haben. Fehler sind nicht per se schlecht, denn sie bringen das Potenzial für Veränderung und damit für Verbesserung. Nur wer keine Angst vor Fehlern hat, traut sich neue Wege zu gehen und auch damit verbundene Risiken einzugehen. Erst wenn ein offener und konstruktiver Umgang mit Fehlern stattfindet, kann man aus diesen lernen und sich weiterentwickeln. Werden Fehler verschwiegen und unter den Tisch gekehrt, verhindert das Innovation. Eine Null-Toleranz-Philosophie gegenüber Fehlern ist so gesehen selbst ein Fehler oder Irrtum. Denn die Möglichkeit Fehler zu beheben besteht nur, wenn diese eingestanden und geteilt werden. Dafür braucht es jedoch eine entsprechende Atmosphäre, in der keine Angst vor Konsequenzen herrscht, wenn Fehler passieren. Wer Sanktionen fürchten muss, wird kaum offen über gemachte Fehler sprechen. Kommt es zu einem Fehler oder Problem, sollte die Frage daher nicht lauten „Wer war das?“, sondern „Wie kam es dazu?“. Damit wird der Fokus weg von einem Schuldigen hin zu einer Lösung gelenkt.

Der offene Umgang mit Fehlern durch die Mitarbeiter*innen sollte somit auch entsprechend wertgeschätzt werden. Denn das Eingestehen von Fehlern zeugt nicht von Schwäche, sondern von Stärke und trägt schlussendlich zum Erfolg des Unternehmens bei. Ziel für jedes Unternehmen sollte es daher sein, eine positive Fehlerkultur zu etablieren, die die Bereitschaft fördert, auch einmal die eigene Komfortzone zu verlassen. Und natürlich sind wir alle selbst dazu aufgerufen, unsere persönliche Einstellung zu Fehlern zu hinterfragen und vielleicht etwas nachsichtiger mit uns zu sein. Denn wie sagte Lawrence J. Peter „Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht“.


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